Das Freiburger Bächlesystem
Das Freiburger Bächle:
Das Freiburger Bächle wurde bereits 1120 gebaut, urkundlich erwähnt wurde es das erste Mal 1238. Insgesamt sind die Bächle 15,9 Kilometer lang, wobei 6,4 Kilometer davon unterirdisch verlaufen. Die Bächle wurden schon immer mit Wasser aus der Dreisam gespeist. Sie dienten damals zur Wasserversorgung der Stadt. Die Bächle galten als Brauchwasser, zum Beispiel für den Brandschutz der Häuser und als Viehtränken. Parallel dazu gibt es bis heute ein Brunnensystem, das versorgt wird mit Trinkwasser aus dem Schlossberg.
Der Brandschutz war in der Stadt damals sehr wichtig, da die Häuser aus Holz und mit einem Strohdach sehr dicht aneinandergebaut waren. Heute wird oft gedacht, dass die Bächle als Abwasserkanäle dienten. Das stimmt so nicht, allerdings konnte man natürlich trotzdem nicht verhindern, dass manch einer die Bächle doch verschmutzte. Im Spätmittelalter wurden sogar Bestimmungen erlassen, dass das Bächle tagsüber nicht zu verschmutzen sei, allerdings zeigten diese Bestimmungen wenig Wirkung.
Die Bächle waren zwar aus heutiger Sicht nicht sauber, sie lieferten jedoch trotzdem eine relativ problemlose Methode für die Nutzwasserversorgung der Stadt. Die Haupteinspeisstelle der Bächle befand sich schon damals in Oberlinden. Aufgrund der Verschmutzung in der Stadt nahm die Wasserqualität von Oberlinden in Richtung Westen sehr stark ab. Die Menschen welche im Westen der Stadt lebten hatten dadurch nur das schon mehrfach benutzte, sehr verschmutzte Wasser zur Verfügung.
Damit die Bächle optimal fließen konnten wurde die Stadt um 1175 im Südosten um ca. drei Meter künstlich aufgeschüttet. Die Aufschüttung half dabei ein gleichmäßiges Gefälle von Oberlinden nach Norden, Westen und Süden zu schaffen. Das Wasser kam durch den 500 Meter langen Schlossbergtunnel in die Stadt und konnte durch den Eingriff in das Stadtbild, die künstliche Aufschüttung in fast jede Straße Freiburgs geleitet werden. Den höchsten Punkt bildet das Schwabentor und den niedrigsten der Fahnenbergplatz. Durch das Verändern des Stadtbildes liegt insgesamt ein Höhenunterschied von acht Metern vor.
Zu Beginn waren die Bächle zunächst aus flach gepflasterten Rinnen, die sich in der Straßenmitte befanden. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Bächle auch wegen des Straßenbahnbaus an den Straßenrand verlegt oder sogar in unterirdische Rohre verlegt, da sie immer mehr als Behinderung angesehen wurden. Als die Bächle umgesetzt wurden bestanden die Bodenplatten vorwiegend aus Sandstein, außerdem wurden die Bächle tiefer als zuvor. Im 19. Jahrhundert wurde sogar überlegt, die Bächle ganz abzuschaffen, da sie beim Ein- und Aussteigen in die Straßenbahnen für große Probleme sorgten. Man entschied sich allerdings doch dagegen.
Auch in der Zeit vom 19. Zum 20. Jahrhundert veränderten die Bächle erneut ihre Form und ihr Material; sie wurden erneut tiefer und die Sohle bestand aus Beton mit Granitplatten an der Seite. Heute ist die Sohle des Bächles immer noch betoniert und wird an den Rändern durch Sandsteinplatten begrenzt. Die Bächle sind heutzutage nicht mehr so tief und breit wie sie einmal waren. Allerdings dienen die Bächle heute auch nicht mehr als Nutzwasserversorgung für die Stadt, sondern viel mehr als Tourististenattraktion.Sie prägen unser heutiges Stadtbild sehr und sind aus Freiburg nicht mehr wegzudenken.
Mit dem Bau der Bächle wurde auch ein neuer Beruf geschaffen; der Bächleputzer wurde für die Stadt sehr wichtig. Er sorgte dafür, dass das gesamte Nutzwassersystem sauber gehalten wird. Denn wenn die Bächle überlaufen wäre die Stadt geflutet worden. Außerdem hatten so die Menschen weiter weg von Oberlinden auch die Möglichkeit auf ein wenig saubereres Wasser.
Auch heute gibt es Bähleputzer, die von der Stadt Freiburg angestellt sind, um die Bächle sauber zu halten.
Deshalb hat der Bächleputzer das Stadtbild sehr geprägt, denn ohne seine Arbeit wären die Bächle möglicherweise auf Grund von dauerhafter Verschmutzung abgeschafft worden und damit würde ein prägender Teil des heutigen Stadtbildes fehlen.